Theorie ist Silber – Gefühl ist Gold!

Doppellongenlehrgang mit Günther Fröhlich

21. – 23. März 2014

Gerne folgte ich der Einladung, dabei zu sein – ohne Pferd, nicht als offizieller Teilnehmer. Im Hause von Susi und Günther Fröhlich in Wegberg-Arsbeck begann es am Freitagabend um 19:00 Uhr. Das Kennenlernen, die Vorstellung der einzelnen Teilnehmer und das geplante Programm der beiden folgenden Tage waren der Grund der Zusammenkunft und spätestens zu diesem Zeitpunkt kristallisierte sich hippologisch (9 jähr. Friesenwallach, 21-jähr. Quarter Horse – Stute, 13 jähr. Isländer-Traber Stute, 17 jähr. Welsh Cob-Stute, 10 jähr. Friesenhengst, 17 jähr. Rheinländer Wallach, 7 jähr. Friesenwallach, 5 jähr. Mini Shetty Stute, 6 jähr. Welsh-B Stute, 24 jähr. Carmaque Wallach, 13 jähr. Deutsches Reitpony) und menschlich eine „bunte Truppe“, die aus verschiedenen Himmelsrichtungen angereist war. Natürlich sind alle Anwesenden Liebhaber des edlen Geschöpfes Pferd; verschiedene Einsatzbereiche der Pferde und ebenso differente Zielsetzungen ihrer Besitzer sollten zwei spannende Tage nach sich ziehen, die in der individuellen praktischen Gestaltung von Günther gegenüber seinen vier- und zweibeinigen Teilnehmern ein weiteres Gebiet seiner Erfahrung repräsentierten!

Am ersten Tag galt es für die Teilnehmer in den meisten Fällen erst einmal, die Grundlagen und den Sinn der Arbeit mit der Doppellonge zu erlernen. Nur wenige waren auf dem Gebiet nicht ganz unerfahren und diejenigen durften auch für sich feststellen, mit der Teilnahme an diesem Lehrgang alles richtig gemacht zu haben. Günther verwendet seine Idioms und jeder Teilnehmer hatte schnell begriffen, was er mit „mehr Fleisch in der Hand“ (Doppellongen-Aufnahme), „Kuschi“ (Losgelassenheit des Longenführers) oder „Anschellen“ (Aufmerksamskeitsparade zum Handwechsel) meint.

Die Richtlinien, die Günther seinen Schülern vermittelt, umfassen neben korrekter Haltung des Longenführers in sehr deutlicher Weise die notwendige Vorwärts-Abwärts-Neigung des Pferdes, das über den Rücken schwingen, die liebevolle Weise, einem Pferd Spaß an der Arbeit zu bereiten und das stete Erinnern weicher Führung am „Mäulchen“ des Pferdes. Ein nicht zu verkennender roter Faden ist das andauernde „Pro Pferd – Denken“, welches neben dem „Denken, wie beim Reiten“ auch die Liebe, das Gefühl, die harmonische Zusammenarbeit und so durch die Verschmelzung der Mensch-Pferd-Beziehung einen markanten Punkt seiner Ausbildungsmethode ausmacht. Hinweise, wie zu hoch dosiertes Treiben, welches ein Pferd stumpf werden lässt, die Wahrung korrekter Innenstellung und das Sprechen und Loben versetzen die zunächst teilweise nervösen Teilnehmer im Laufe des ersten Tages in einen Zustand konzentrierter Ruhe, die sich in der Entwicklung ihrer geliebten Vierbeiner sichtlich wiederspiegelt.

Der zweite Tag der Praxis umfasste die Steigerung, indem die Trabstangenarbeit über fünf Stangen und das gymnastizierende Springen über Cavalettis integriert wurde. Die Pferde und auch die Teilnehmer waren durch den Tag zuvor auf spielerische Weise auf diesen Fortschritt der Doppellongenarbeit sehr gut vorbereitet und das potenzierte Selbstvertrauen im Bezug auf die Zusammenarbeit mit dem eigenen Pferd äußerte sich nicht zuletzt über den „Spiegel“ des Menschen: das Pferd, welches den Anforderungen sichtbar vertraulicher gegenüberstand.

Die von Günther vielfach ausgesagte mentale Steuerung des Freundes Pferd schien sich multipliziert zu haben und die Ruhe und Ausgeglichenheit der Symbiose Mensch und Pferd hatte fühlbar in der Reithalle Einzug gehalten. Die Aufforderung des Lehrgangsleiters, ein Pferd weit und lang springen zu lassen, sorgte bei fast allen Pferden für eine sich sichtbar verbessernde Bascule und das von Günther Fröhlich vermittelte naturgemäße Training, welches frei von Zwängen das Ziel einer gestärkten Rückenmuskulatur verfolgt, förderte ebenso die Losgelassenheit der Pferde in zwei Tagen der Praxis. Die vielen Handwechsel, die großen Wendungen und „Nullrunden“ in der Stangenarbeit nebst der unverzichtbaren Schrittpausen und die Art der unverwechselbaren Vermittlung durch Günther haben für mich in den Tagen „zwei Mal etwas fallen lassen“:

Die Pferde ihre Hälse und die Menschen ihre Spannungen, die vor dem, was auf sie zukommt, entstanden waren! Der meinerseits entstandene Eindruck in den gemeinsamen Stunden im Hause Susi und Günther Fröhlich war der, dass Günther es in kurzer Zeit vollbrachte, Fachwissen unvergleichlich zu vermitteln und dabei eigentlich niemand bemerkte, dass ein bunter „Zirkus“ verschiedenster Charaktere von Mensch und Pferd ein harmonisches Zusammengehörigkeitsgefühl empfanden, welches jedes Lebewesen zufrieden mit nach Hause nehmen durfte!

Autor: Volker Kapala